FRITZ FUN FACTS

Recherchiert, illustriert und kommentiert von Stefanie Richter

Das Leben des Alten Fritzʼ war geprägt von Heimlichkeiten, Verboten und Verrat. Es war eine Zeit der Reformen, auch in der Wirtschaft. Friedrich der Große prägte unsere Region ‒ ja, sogar die Weihnachtszeit!

Heimlichkeiten – Latein, Literatur & Flöte

 „Der 1716 bestellte Erzieher Friedrichs, Jacques Égide Duhan de Jandun, ein hugenottischer Flüchtling, der dem König bei der Belagerung Stralsunds im Jahre 1715 durch seine besondere Tapferkeit aufgefallen war, unterrichtete Friedrich bis 1727. Duhan entwickelte eine enge persönliche Bindung zu seinem Schüler, erweiterte den vom König streng redigierten Stundenplan, indem er dem Prinzen auch Latein und Literatur nahebrachte, und war schließlich auch bei der Anschaffung der heimlichen Bibliothek des Thronfolgers behilflich. Der Lateinunterricht erfolgte ebenfalls heimlich, und als sein Vater die beiden dabei ertappte, malträtierte er Lehrer und Schüler gleichermaßen mit Schlägen und Tritten.“

„1728 begann Friedrich heimlich mit dem Flötenunterricht bei Johann Joachim Quantz, wodurch sich die Konflikte zwischen dem tyrannischen, nur auf das Militärische sowie Ökonomische fixierten Vater und dem Kronprinzen weiter zuspitzten.“

„Friedrich und Elisabeth Christine heirateten am 12. Juni 1733 im Schloss Salzdahlum. Es gab Ballett, eine Pastorale, in der der Kronprinz, der die Hauptrolle führte, Querflöte spielte, und Opern von Carl Heinrich Graun und Georg Friedrich Händel.“

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Das Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci ist ein Gemälde des deutschen Malers Adolph von Menzel, das heute in der Alten Nationalgalerie in Berlin hängt. Es zeigt den Preußenkönig beim Flötensolo während eines Abendkonzerts, das er zusammen mit Musikern vor Gästen im festlich erleuchteten Konzertzimmer seines Rokokoschlosses Sanssouci abhält.

Eine fiktive Szene – „Einem Besucher soll er gestanden haben, dass er „das Bild eigentlich nur des Kronleuchters wegen“ gemalt habe.“ Dafür hat er den Personen und ihren Charakterzügen aber recht viel Aufmerksamkeit gewidmet - und das nicht unbedingt in positivem Sinne.

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Verbote – Weihnachtsbäume

„Lange Zeit war Weihnachten auch nicht das besinnliche Familienfest, welches wir heute kennen. Statt im engsten Kreise bei Kerzenschein und Marzipan den Weihnachtsbaum anzusingen, feierten die Menschen feucht fröhlich auf der Straße. (…) Auch der preußische König Friedrich Wilhelm I. ließ im Jahre 1739 die ausufernden Weihnachtsfeiern, wo beim anschließenden mitternächtlichen Kirchgang der Mann auf der Kanzel der einzige nüchterne Mensch im Raum war, faktisch verbieten. (…) Sein Sohn Friedrich II. lockerte das Verbot aber einige Jahre später wieder.“

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 (…) Geschmückte Tannenbäume sind in Berlin erst seit dem 17. Jahrhundert bekannt (anderer Orts auch früher). Beleuchtet wurden sie erst seit 1780.
Vor allem am Ende des 17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts waren die Preußenkönige bestrebt, neben anderen Bereichen des öffentlichen Lebens auch in das weihnachtliche Treiben Ordnung und Disziplin zu bringen. 1686 wollte Kurfürst Friedrich Wilhelm die Weihnachtsumzüge abschaffen. Friedrich der Große ließ Weihnachtsbäume verbieten - angeblich aus forstwirtschaftlichen Gründen. Doch in Wahrheit dürfte der weihnachtlichen Gaukelei aus seiner Sicht zu viel Germanisches und Slawisches, Heidnisches und Katholisches angehaftet haben. Im Land Brandenburg war die protestantische Glaubensschicht noch dünn und schutzbedürftig. Doch gegen die Jugend konnten sie sich nicht durchsetzen.“ (…)

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Das Bild zeigt also einen Blick in die Zukunft, in die Weihnachtszeit, wie wir sie heute erleben dürfen. Welch ein Glück, dass sich das Verbot nicht durchsetzte. Auch Werke wie E.T.A. Hoffmann Märchen „Nussknacker und Mausekönig“ aus dem Jahre 1816, ein Berliner Literaturdenkmal, müssten wir entbehren (der Sohn mit seinen Spielzeugsoldaten heißt übrigens Fritz).

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Verrat & Fluchtversuche

„Brutale körperliche und seelische Züchtigungen durch Friedrich Wilhelm gehörten zu dieser Zeit zur Tagesordnung in der königlichen Familie. Gleichwohl heizte der junge Friedrich diese Konflikte durch sein betont aufsässiges Verhalten seinem Vater gegenüber immer wieder an. (…) Friedrich suchte 1729 die enge Freundschaft zum musischen und gebildeten acht Jahre älteren Leutnant Hans Hermann von Katte. Katte wurde Freund und Vertrauter Friedrichs, der ihn wegen dessen Weltgewandtheit bewunderte. Beide interessierten sich zudem für das Flötenspiel und die Dichtkunst. Im Frühjahr 1730 (…) offenbarte Friedrich seinem Freund den Plan, nach Frankreich zu fliehen, um sich der Erziehungsgewalt seines strengen Vaters zu entziehen. (…) Der anschließende Fluchtversuch Friedrichs im Lager scheiterte bereits an der fehlenden Freigabe von Pferden.  Anschließend begleitete der Kronprinz seinen Vater auf eine diplomatische Reise durch Süddeutschland. Friedrich versuchte (…) erfolglos (…) nach England zu fliehen, während Katte durch einen kompromittierenden Brief als Mitwisser entlarvt und wenig später verhaftet wurde. Friedrich selbst wurde in der Festung Küstrin unter Arrest gestellt.“

Einige seiner Talente wie auch die Weisheiten waren offenbar erlesen wie erlitten.

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Reformen – Weg mit der Folter, her mit der Bildung!

„Am 31.5.1740 wird Friedrich II. nach dem Tod seines Vaters preußischer König. Er erfüllt zunächst die Erwartungen an einen aufgeklärten Monarchen mit zahlreichen populären Reformen und Aktivitäten. Er ordnet die Abschaffung der Folter und des Ertränkens von Kindesmörderinnen an, verfügt, dass staatliches Getreide zu geringen Preisen an die Bevölkerung verkauft wird, hebt die Zensur auf, gründet eine deutsche und eine französische Zeitung, veranlasst, dass Geistesgrößen in die Residenz geholt und Akademien wieder arbeitsfähig werden, lässt den Bau eines Opernhauses vorbereiten. “

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„Während der Regentschaft Friedrichs wurden Hunderte von Schulen gebaut. Das Landschulsystem krankte allerdings an der ungeregelten Lehrerausbildung.“

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Und zu viel Bildung war ihm dann wohl auch nicht recht. Der König der Widersprüche eben.

„Lernen sie zuviel, so laufen sie in die Städte und wollen Sekretäre und so'n Zeug werden. Der Sohn eines Spritzenmeisters soll nicht studieren, sondern spritzen.“

„Wenn meine Soldaten anfingen zu denken,
bliebe nicht einer in den Reihen.“

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Wirtschaft – Maulbeerbaum und mehr

„Neuen Industrien gegenüber war Friedrich sehr aufgeschlossen. So ordnete er 1742 per Edikt die Anpflanzung von Maulbeerbäumen zur Seidenraupenzucht an, um von ausländischen Seidenlieferungen unabhängig zu werden.“

Ja, das wissen wir hier nur zu gut, hat aber leider nicht wie geplant funktioniert. Die wirtschaftliche Unabhängigkeit Deutschlands wird angesichts der Globalisierung und auch der momentanen Situation erneut thematisiert. Dafür hat der „Kartoffelbefehl“ bis heute Früchte getragen, ebenso wie die Gründung der königlichen Porzellan-Manufaktur.

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Original Gemälde
Friedrich II., Gemälde von Anton Graff, 1781.

Weihnachtszeit – schöne Bescherung

 (…) Erfolg hatte Friedrich der Große hingegen mit seinem Edikt, das die Bescherung auf den 25. Dezember festlegte. Erst ab etwa 1865 bekamen die Kinder ihre Geschenke am 24.12. (…)

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Vielleicht hat er dabei einfach nur an die Kinder gedacht, die sonst so lange wach bleiben müssten.

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„Am 7. Juni 1744 besetzt Friedrichs Armee Ostfriesland, im August beginnt er den 2. Schlesischen Krieg, der am 24.12.1745 durch den Frieden zu Dresden, der den schlesischen Besitz erneut bestätigt, beendet wird. Bei der Rückkehr nach Berlin wird Friedrich erstmals als "Der Große“ bezeichnet.“

Vielleicht war der Vertrag zum Frieden von Dresden am 25.12. ein feierlicher Anlass, die Bescherung zu verlegen und damit auch den Frieden zu feiern. Wer weiß…

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„Der Brauch, vor allem Kinder und Familienmitglieder zu beschenken, ging im Zuge der lutherischen Reformation vom Nikolaustag auf das Weihnachtsfest über. (…) Mit der Zeit rückte der christliche Sinn der Bescherung in den Hintergrund und der weltliche Wert der Geschenke in den Vordergrund. Als Vorbilder dafür dürften besonders die weltlichen Herrscher, die Könige und Fürsten, gewirkt haben. Zumindest ist von ihnen bezeugt, dass sie bei ihren Weihnachtsfeiern auf kostbare Geschenke großen Wert legten: Nachdem Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, 1663 die Bescherung in Brandenburg eingeführt hatte, wurden den zu Bescherenden alsbald Juwelen und Silbergeschirr ausgehändigt. Friedrich Wilhelm I. beschenkte am Heiligen Abend 1729 die Königin, die Prinzen und Prinzessinnen mit Silberwaren sowie mit Spielsachen, die er selbst auf dem Weihnachtsmarkt ausgesucht hatte.“

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Alle Jahre wieder…

Auch wenn wir in diesem Jahr auf unsere klassischen Weihnachtsmärkte und manch andere Tradition verzichten müssen, genießt die Zeit mit euren Liebsten und bleibt gesund.

„Die Gesundheit ist auf Erden das einzig Wahre.“

Friedrich II., der Große (1712 - 1786), preußischer König, »Der alte Fritz«
Quelle: Friedrich II. (der Große), Briefe. An Voltaire, 5. März 1749



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